Hinter den vielen Fragen, die ich gestellt bekomme, verbergen sich immer wieder die gleichen Konzepte oder Vorstellungen. Viele von ihnen tauchen fast in jedem Dialog auf. Ich habe hier versucht sie vereinfacht zusammenzufassen und Anregungen zu geben, sie zu hinterfragen.

Ich bin mein Körper und die Summe meiner Gedanken und Erfahrungen.

Was genau ist denn die Summe von all dem? Ist das etwas Greifbares? Kannst Du wirklich ganz genau definieren, was das sein soll? Könnten wir nach diesem Ding suchen? Oder ist das so definierte „Ich“ nicht nur ein Konzept – eine Vorstellung? Etwas, das in Gedanken künstlich ergänzt wird zu dem, was wirklich da ist: nämlich Körper, Gedanken und Sinneserfahrungen? Kannst Du etwas finden, das nicht eins von den Dreien ist?

Ich bestimme über mein Leben. Ich entscheide mich für bestimmte Handlungen und bin verantwortlich für ihre Auswirkungen.

Wie genau bestimmst Du denn was passiert? Wie entscheidest Du zum Beispiel darüber, welchen Gedanken Du als nächstes denken willst? Es gibt ja unzählige Möglichkeiten – wie genau suchst Du den nächsten Gedanken aus? Sollte der nächste Gedanke nicht bewusst von Dir ausgesucht worden sein – wie können daraus „Deine“ Handlungen entstehen oder gar „Deine“ Verantwortung? Es gibt Gedanken, Handlungen und Verantwortung – ohne Zweifel. Aber gibt es auch ein „Ich“ am Steuerrad des Lebens?

Mir gefällt mein Leben nicht. Wenn ich erwacht wäre, wäre alles besser.

Das beruht auf der Annahme, dass bisher ein „Ich“ den Verlauf des Lebens bestimmt hat und es ohne dieses „Ich“ besser wäre. Was ist aber, wenn es dieses „Ich“ noch nie gab? Wenn „Du“ gar nicht am Steuerrad sitzt – was würde sich dann durch das sogenannte Erwachen an „Deinem“ Leben ändern? Wen interessiert es überhaupt, ob das Leben gut oder nicht so gut ist? Wer genau würde durch ein verbessertes Leben profitieren?

Ich muss noch mehr meditieren / verstehen / Direct Pointing machen / zu Satsangs gehen / Videos gucken.

Was suchst Du denn? Dich, oder? Wie weit bist Du von Dir entfernt? Wie kannst Du da hinkommen, wo Du jetzt gerade bist? Brauchst Du eine Karte? Musst Du irgendwen nach dem Weg fragen? Was ist notwendig?

Tom (oder wer auch immer) kann mir zeigen, was ich suche.

Du willst den Gipfel eines unbekannten Berges erklimmen? Dann suche Dir jemanden, der sich dort auskennt. Der Dir den kürzesten Weg zeigen kann, oder den flachsten, oder den schönsten. Was nützt es Dir, wenn er Dir den Weg immer und immer wieder erklärt? Was nützt es Dir, wenn er selbst zum Gipfel geht? Wenn Du zum Gifel willst: geh!

Erleuchtung bedeutet, dass das Ich komplett verschwunden ist und das Leben nur noch aus Glück und Freude besteht.

Es geht nicht darum ein Ich verschwinden zu lassen oder es gar zu töten, wie man so oft liest. Die Illusion eines Ichs wird vom Prinzip bestehen bleiben. So wie man immer noch Wasser am Horizont zu erkennen meint, obwohl vollkommen klar ist, das es sich bei dieser Fata Morgana nur um eine optische Täuschung handelt. Aber das Durchschauen der Ich-Illusion kann zu einem Perspektivwechsel führen, der häufig auch mehr Stille und Frieden mit sich bringt.