Ebbe und Flut.

Sonntag, 30. Juni 2013

Wir tun immer so, als gäbe es das alles wirk­lich. Als wür­den unse­re Begrif­fe auf etwas ver­wei­sen, das eine soli­de, eigen­stän­di­ge, inhä­ren­te Exis­tenz hät­te. Aber ist das wirk­lich so?

Wann endet die Ebbe und beginnt die Flut? Wann endet der Tag und beginnt die Nacht? Ist es zu jeder Zeit voll­kom­men ein­deu­tig, wel­cher der bei­den Begrif­fe gera­de gel­ten soll? Wie ist es mit Berg und Tal? Wo endet der Berg und wo beginnt das Tal? Und was pas­siert, wenn wir den Berg abtra­gen wür­den? Ist das Tal dann immer noch ein Tal? Oder hängt die Exis­tenz eines Tals nicht von dem Berg ab? Exis­tiert das Tal also nun eigen­stän­dig und unab­hän­gig? Hat es eine inhä­ren­te Exis­tenz?

Hängt die Exis­tenz eines Tisches nicht davon ab, ob es 3–4 Bei­ne gibt und eine Tisch­plat­te? Was ist, wenn wir noch ein senk­rech­tes Brett hin­zu fügen? Ist es dann nicht viel­leicht eine Bank oder ein Stuhl? Was ist, wenn wir die Bei­ne weg­neh­men? Bleibt immer noch ein Tisch übrig?

Und was pas­siert, wenn wir die Din­ge noch wei­ter aus­ein­an­der neh­men? Ist ein Tisch­bein nicht auch von sei­ner Form abhän­gig? Ist es immer noch ein Bein, wenn wir es in 20 Schei­ben zer­sä­gen? Wenn es ein Holz­bein ist, war es vor­her doch ein Baum, oder? Wann ist der Baum ver­schwun­den und das Bein ent­stan­den? An wel­chem Punkt genau?

Da liegt ein gro­ßer Stein­hau­fen und ich neh­me einen Stein nach dem ande­ren weg. Ab wann genau sind es nur ein paar Stei­ne, die da zufäl­lig lie­gen? Mit wel­chem Stein genau ver­schwin­det der Hau­fen? Und wo geht er hin? War er jemals da? Gibt es den „Hau­fen an sich“, oder sind da nicht ein­fach nur Stei­ne?