Unterwegs.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Das Gleich­ge­wicht des All­tags geht schnell ver­lo­ren, wenn man mit neu­en, unge­wohn­ten oder gar extre­men Situa­tio­nen kon­fron­tiert wird. Aus dem ruhi­gen Fluss des Lebens kann hin­ter der nächs­ten Bie­gung ein Wild­was­ser wer­den — ob man will oder nicht.

Eini­ge Ver­än­de­run­gen sind gewollt und geplant. Im Urlaub will man ‚raus aus dem All­tag, Neu­es sehen und erle­ben. In einem Flug­zeug sit­zen und um die hal­be Welt flie­gen. Durch eine der gro­ßen Metro­po­len schlen­dern und ein­tau­chen in die­sen neu­en Rhyth­mus. Ein frem­des Land, sei­ne Kul­tur, das Kli­ma und die Men­schen ken­nen ler­nen. Alles ist anders. Nichts ist wie es war.

Schlech­te Nach­rich­ten kön­nen den All­tag von einem Moment auf den ande­ren ver­än­dern. Was gera­de noch so selbst­ver­ständ­lich war und kaum einen Gedan­ken wert, wird plötz­lich zum ein­zig Wich­ti­gen. Die Auf­merk­sam­keit ver­schiebt sich radi­kal und bleibt immer wie­der nur bei dem einen The­ma hän­gen.

Wenn bei­des gleich­zei­tig pas­siert, steht die Welt Kopf. Zumin­dest soll­te sie das. Oder? Denn was eigent­lich „aus der Bahn wer­fen“ soll­te, führt mich nur tie­fer ins Zen­trum. In den letz­ten Wochen haben alle äuße­ren Ver­än­de­run­gen nur dazu geführt, dass das eine Unver­än­der­li­che umso deut­li­cher her­vor­tritt. Wie bei einem Stru­del scheint das Zen­trum immer tie­fer zu wer­den, je schnel­ler sich das Was­ser drum­her­um dreht. Das Para­do­xe dar­an: selbst äuße­res Unglück führt dazu den inne­ren Frie­den zu ver­stär­ken. Selbst im Unglück sehe ich Lie­be…

Mir ist auch auf­ge­fal­len, wie sich mein Blick auf frem­de Men­schen ver­än­dert hat. Denn: ich sehe kei­ne frem­de Men­schen mehr. Wenn ich ihnen tief in die Augen sehe — und das schei­ne ich deut­lich häu­fi­ger zu machen als frü­her — sehe ich dar­in: mich. Alles. Lie­be. Ein frem­des Land, mit einer frem­den Spra­che und Kul­tur — aber: ich füh­le mich zuhau­se. Ich sehe nur Men­schen, aus denen das Glei­che her­aus­schaut wie aus mir. Und alles was ich sehen kann ist Lie­be. Ich sehe unter­schied­li­che Gesich­ter, höre ein­zig­ar­ti­ge Geschich­ten, neh­me ein­zel­ne Per­so­nen und Cha­rak­te­re wahr. Doch nicht als von der Welt getrenn­te Indi­vi­du­en, son­dern als Ergeb­nis und Aus­druck des einen, untrenn­ba­ren, unver­än­der­li­chen Lebens.