Aus der Stille.

Freitag, 6. Januar 2012

Es war nur ein Wort in einem You­tube-Video: „…func­tion“. Aber nun ist es, als sei ein wei­te­rer Schlei­er gefal­len. Dabei ist eigent­lich gar­nichts pas­siert.


Als wenn der Mit­tel­punkt die­ses Uni­ver­sums um einen hal­ben Meter ange­ho­ben wor­den ist… Bis­her schien er irgend­wo kurz hin­ter den Augen zu lie­gen, aber trotz­dem nicht „im Kopf“. Nun ist er knapp über „Tom“. Das Sehen und Den­ken fin­det immer noch am glei­chen Ort statt, aber weder bin „ich“ an die­sem Ort, noch bin ich „Tom“ oder bin es nicht. Die­ser Kör­per, das Den­ken, Sehen, Füh­len gehö­ren immer noch zusam­men und sind ver­traut, aber auf eine merk­wür­di­ge Wei­se ist das nicht mehr so „per­sön­lich“. Nicht, als wür­de ich einem Frem­den über die Schul­ter sehen. Aber „meins“ ist es auch nicht.

Ich“ zu schrei­ben fühlt sich anders an. Es scheint ok zu sein als Werk­zeug. Aber genau­so gut könn­te ich „Super­man“ schrei­ben. Da ist ein­fach nur das Leben, das sich selbst lebt. Und das war schon die gan­ze Zeit so. Schien vor­her die Per­son beleb­ter zu sein als die Stil­le, ist es jetzt genau umge­kehrt. Der Him­mel ist nicht mehr ein­fach nur hin­ter den Wol­ken zu erah­nen: da ist nur der Him­mel.

Fin­de das Sub­jekt. Das ein­zi­ge, das exis­tiert. Alle Objek­te kannst Du nicht sein. Objek­te sind nicht „per­sön­lich“. Objek­te sind nicht dau­er­haft. Sie kom­men und gehen. Du, das Sub­jekt, bist aber die gan­ze Zeit da. Gedan­ken sind nur Objek­te. Genau­so wie alle Din­ge — den Kör­per ein­ge­schlos­sen. Nichts ist immer da. NICHTS ist immer da. Stil­le, Lee­re. Die Ant­wort liegt in die­sem Nichts. In dem, das Du weder rie­chen noch füh­len kannst. Das kei­ne Grö­ße, Far­be oder Alter hat. Du kannst es nicht den­ken oder dar­über spre­chen. Alles, was Du wirk­lich dar­über sagen kannst, ist, dass es da ist. Es ist die Ant­wort auf die Fra­ge „Wer bin ich?“, bevor der ers­te Gedan­ke auf­taucht. Es ist in den kur­zen Pau­sen zwi­schen den Gedan­ken. Es ist die gan­ze Zeit da. Genau wie Du…

Wenn Du ver­stehst,
sind die Din­ge wie sie sind.
Wenn Du nicht ver­stehst,
sind die Din­ge was sie sind.

Dogen Zen­ji