Berg der Verklärung.

Sonntag, 4. März 2012

Es ist wirk­lich schwer über die­se Erfah­rung zu reden. Daher fin­de ich es immer span­nend sie an ver­schie­dens­ten Stel­len in den Wor­ten ande­rer zu ent­de­cken. So wie ges­tern in der Pre­digt der Vor­abend­mes­se.


In Lesung und Pre­digt ging es um den Berg der Ver­klä­rung. Jesus stieg mit den Jün­gern Petrus, Jako­bus und Johan­nes auf einen hohen Berg, um dort zu beten. „Und indem er bete­te, wur­de das Aus­se­hen sei­nes Ange­sichts anders und sein Gewand weiß, strah­lend“ (Vers 29). Zu die­ser Ver­wand­lung gibt es auch eine Stel­le in 2. Kor 3,18: „Wir alle aber, mit auf­ge­deck­tem Ange­sicht die Herr­lich­keit des Herrn anschau­end, wer­den ver­wan­delt nach dem­sel­ben Bil­de von Herr­lich­keit zu Herr­lich­keit, als durch den Herrn, den Geist.“

Die­ses Bild wird dann noch erwei­tert um eine Wol­ke, wel­che die Män­ner auf dem Berg über­schat­te­te, und aus der Gott mit ihnen sprach. Petrus schrieb spä­ter dar­über in sei­nem zwei­ten Brief: „Er emp­fing von Gott, dem Vater, Ehre und Herr­lich­keit, als von der pracht­vol­len Herr­lich­keit eine sol­che Stim­me an ihn erging: ‚Die­ser ist mein gelieb­ter Sohn, an wel­chem ich Wohl­ge­fal­len gefun­den habe‘“ (Kap. 1,16–19). Jene Wol­ke war also die pracht­vol­le Herr­lich­keit der Gegen­wart Got­tes. Von dort her kam die Stim­me.

So ver­rückt sich das viel­leicht anhört, aber für mich könn­ten die­se Bibel­stel­len genau­so gut aus der Zen-Lite­ra­tur stam­men. Es sind wun­der­ba­re Bil­der für das Erken­nen des „wah­ren Selbst“. Oder halt in christ­li­cher Ter­mi­no­lo­gie für das Erken­nen der Herr­lich­keit Got­tes. Die­ses Zurück­zie­hen auf den Berg zum Gebet ist auch nichts ande­res als das, was z.B. wäh­rend der Kon­tem­pla­ti­on geschieht. Und „ver­wan­delt wer­den nach dem­sel­ben Bil­de von Herr­lich­keit zu Herr­lich­keit“ ist nichts ande­res als das Ein­tau­chen in die Stil­le. In die­sel­be Stil­le, die Bud­dha und Jesus wohl auch gekannt haben. Der Urgrund, die Bud­dha-Natur oder die „pracht­vol­le Herr­lich­keit der Gegen­wart Got­tes“… ich kann dar­in kei­nen Unter­schied erken­nen.

Für mich ist die­se „alte Geschich­te“ aus der Bibel kei­ne Wie­der­ga­be eines his­to­ri­schen Ereig­nis­ses, son­dern Bild für eine Erfah­rung, die aktu­el­ler kaum sein könn­te. Eine Erfah­rung, die viel­leicht Grund­la­ge jeder Reli­gi­on ist und daher nicht nur in der Bibel zu fin­den ist. Sie hat eigent­lich über­haupt nichts mit der Bibel oder ande­ren Über­lie­fe­run­gen zu tun. Genau­so wenig, wie eine im nach­hin­ein gezeich­ne­te Kar­te das Land ist, das bereist wur­de.

Ich kann mich nicht erin­nern, wann ich jemals auf­merk­sa­mer einer Pre­digt zuge­hört habe.