Bin ich’s, oder bin ich’s nicht?

Dienstag, 21. August 2012

Ich habe heu­te kein Fleisch geges­sen. Ges­tern auch nicht. Und auch nicht in den letz­ten Wochen. Mei­ne neu­es­ten Bücher sind „Tie­re essen“, „Vegan for Fun“, „Das gro­ße vege­ta­ri­sche Koch­buch“ und „Vege­ta­ris­mus“. Trotz­dem ist da kein Bedürf­nis mich Vege­ta­ri­er zu nen­nen.

Es war ein Zufall, dass ich die letz­te hal­be Stun­de die­ser Doku­men­ta­ti­on über Mas­sen­tier­hal­tung und Schlacht­hö­fe gese­hen habe. Hät­ten mich die Bil­der nicht direkt gefes­selt (bes­ser: abge­schreckt), hät­te ich direkt wei­ter gezappt. Ich habe mir auch nicht aus­ge­sucht die­se Bil­der in den nächs­ten Tagen nicht aus dem Kopf zu bekom­men. Es war ein­fach so.

Vor dem Auf­schnitt-Regal muss­te ich dann eine Ent­schei­dung tref­fen. Ich bin sehr lan­ge hin und her gelau­fen. Und habe kein Fleisch gekauft. Trotz­dem liegt beim Früh­stück noch eine Leber­wurst mit auf dem Tisch. Ich könn­te sie ein­fach neh­men, tue es aber nicht.

Wenn ich gefragt wer­de, war­um ich beim gemein­sa­men Gril­len kei­ne Wurst möch­te, wer­de ich wohl sagen müs­sen, dass ich Vege­ta­ri­er bin. Aber eigent­lich ist da die­ses Label nicht, noch ist es nicht nicht da.

Es wäre so ein­fach Vege­ta­ri­er zu sein. Das ist glau­be ich immer noch ganz hipp, zeugt von Umwelt­be­wusst­sein, macht einen viel­leicht inter­es­sant und ein wenig zu einem „guten Men­schen“. Manch­mal wür­de ich viel­leicht einen ande­ren Veg­gie tref­fen und wir wür­den uns erken­nen und eine Wei­le zusam­men­ste­hen. Man hät­te dann schon­mal ein gemein­sa­mes The­ma. Es wäre natür­lich klar, dass es bes­ser ist kein Fleisch zu essen — auch wenn man das nie so raus­hän­gen las­sen wür­de. Aber trotz­dem wäre es irgend­wie gut dazu zu gehö­ren.

Ich“ bin kein Vege­ta­ri­er. Genau­so wenig, wie ich vor­her Fleisch­esser war. Man kann die­se Label anbrin­gen und die zuge­hö­ri­gen Rol­len spie­len. Aber all das ist weg­ge­fal­len. Es ist weder ein Bedürf­nis da noch eine Iden­ti­fi­ka­ti­on. „Ich“ bin nichts von all dem. „Ich“ habe kei­ne Wahl getrof­fen. Muss es auch nicht.

Heu­te habe ich kein Fleisch geges­sen. Und selbst, wenn das die nächs­ten zwan­zig Jah­re so bleibt, kann es sich am Tag dar­auf auch wie­der ändern.