Die Welt zu Gast in mir.

Montag, 19. März 2012

Ich betre­te den Medi­ta­ti­ons­raum und gehe zu einem frei­en Platz. Mit den Ande­ren war­te ich auf den Beginn der ers­ten Run­de, knie mit einem Bänk­chen gut einen Meter vor einer Wand. Die Glo­cke ertönt, ich atme tief ein und begin­ne mit der Übung.


Die Wand vor mir begrenzt mein Sicht­feld und den Raum, in dem ich sit­ze. Der Raum begrenzt mei­ne Wahr­neh­mung. Ich höre die Ande­ren atmen, aber nicht den Wind draus­sen. Eine Hei­zung hält uns warm, wäh­rend es vor dem Haus immer käl­ter wird. Wir alle sind zu Gast hier. Kom­men mon­tags um 19:30 Uhr und gehen um kurz nach neun.

Aber ist das wirk­lich so? Im Rhyt­mus der Atem­zü­ge ver­schwim­men die Gren­zen immer mehr. Der Raum und alles dar­in tritt in den Hin­ter­grund. Vor mir tut sich etwas Ver­trau­tes auf. Aber es ist nicht nur vor mir, es ist auch hin­ter mir und an allen Sei­ten. Es wird nicht durch die Wand begrenzt und nicht durch den Raum. Viel­mehr ist all‘ das in die­sem Unbe­grenz­ten.

Mein wah­res Zuhau­se ist immer hier und jetzt. Nicht nur der Raum, die Geräu­sche, mei­ne Gefüh­le und Gedan­ken — ALLES ist zu Gast in ihm. Es ver­weilt nur eine Zeit, kommt und geht. Die­ses Zuhau­se kann ich nicht betre­ten oder ver­las­sen. Denn es ist das, was ich bin.