Ein winziger Moment.

Freitag, 11. Mai 2012

Es war nur ein win­zi­ger Moment. Der Bruch­teil einer Sekun­de. Ein Wim­pern­schlag. Es liegt ein eigen­ar­ti­ger Zau­ber dar­in, jeman­den wirk­lich anzu­se­hen. Nicht die­ser flüch­ti­ge Blick­kon­takt, die­ses auto­ma­ti­sier­te Hin­se­hen. Ich mei­ne ein direk­tes, unmit­tel­ba­res In-die-Augen-sehen.

Es war ein kur­zer Moment des Erken­nens. Zwei offe­ne und ehr­li­che Bli­cke, die sich tref­fen. Was für ein Geschenk.

Nicht anders ist es mit dem Blick auf sich selbst. Wir sehen gar nicht erst rich­tig hin, wenn wir mei­nen die Ant­wort schon zu ken­nen. Wir fan­gen uns sel­ber ab. Wenn wir glau­ben schon genug Infor­ma­tio­nen oder Wis­sen über etwas zu haben, machen wir es uns ein­fach. Jede Rose ist ein­zig­ar­tig — aber wer macht sich die Mühe jede Blü­te eines Strau­ßes anzu­se­hen? Rose ist Rose, oder?

Aber das ist es eben: wir sind es gewohnt vor­bei zu sehen. Es reicht uns die Din­ge so grob wahr­zu­neh­men. Das hält ja auch nur auf. Irgend­et­was ande­res war­tet ja immer. Wir sind immer auf dem Weg. Aber wohin? Was machen wir mit all der gespar­ten Zeit, in der wir gedan­ken­los an einem Wun­der vor­bei­lau­fen, damit wir schnel­ler wie­der zuhau­se sind?

Sieh‘ nur ein Mal rich­tig hin und du kannst das Wun­der, das du bist, nicht über­se­hen. Es braucht nur einen Wim­pern­schlag. Den Bruch­teil einer Sekun­de. Nur einen win­zi­gen Moment…