Wie erlebe ich mich selbst?

Donnerstag, 10. Mai 2012

Wie kann ich beschrei­ben, was hier als „ICH“ erlebt wird…? Da ist… ein­fach nur eine Art lee­rer Raum. Nichts Sub­stan­zi­el­les, kein Objekt, auf das sich die­ses Wort „Ich“ bezie­hen könn­te. Es gibt auch kei­nen bestimm­ten Ort, an dem sich das „ICH“ auf­hält. Da ist kein Zen­trum oder Mit­tel­punkt — kei­ne Stel­le über die man sagen könn­te: „da bin ICH“. Genau­so wenig könn­te ich Eigen­schaf­ten des „ICH“ auf­zäh­len. Es ist weder gross noch klein, leben­dig oder ruhig. Das „ICH“ zu beschrei­ben ist so aus­sichts­los wie der Ver­such, sich selbst hoch­zu­he­ben.

In die­sem Raum des „ICH“ gibt es einen per­ma­nen­ten Gast: den Kör­per-Geist. Also die Per­son, die auch reagie­ren wür­de, wenn jetzt gera­de jemand mei­nen Namen rie­fe. Die­ser Gast ist auch ein „ich“ — aber nicht „das ICH“. Ver­wirrt? Es ist wie mit der Wel­le und dem Oze­an: die Wel­le ist eine wahr­nehm­ba­re Form, die der Oze­an annimmt — kein eigen­stän­di­ges Ding. Die Wel­le und der Oze­an sind eins, so wie „ich“ und „ICH“ eins sind.

Daher gibt es auch kein Umschal­ten zwi­schen zwei ver­schie­de­nen „Ichs“. Genau­so wenig, wie es ein „wah­res Ich“ zu fin­den gibt oder „das Ich ster­ben muss“. Es ist immer nur das Eine da.

Somit pas­siert auch in der Medi­ta­ti­on nichts Beson­de­res. Der Gast kann ruhi­ger wer­den bis man gar­nicht mehr merkt, dass er da ist. Dann kann offen­sicht­lich wer­den, dass der Oze­an auch ohne Wel­len exis­tiert, der Him­mel auch ohne Wol­ken. Was stört den Him­mel ein Sturm oder den Oze­an hohe Wel­len?