Für R.: Falsche Vorstellungen.

Dienstag, 22. Mai 2012

Was eigent­lich in die Rubrik „lus­ti­ge Inter­net­fil­me“ gehört, sehe ich ganz anders. Zumin­dest bei den zwei Vide­os hier.


Die Staub­sauger-Dame

Was pas­siert da? Für den Beob­ach­ter der Sze­ne ist direkt klar, daß Schlauch und Staub­sauger nicht mehr ver­bun­den sind und die Staub­sauger-Dame im gan­zen Video nicht einen Krü­mel Staub auf­saugt.

Aber was pas­siert für sie? Bis etwa zur Sekun­de 40 im Video ist die Dame doch der fes­ten Über­zeu­gung, dass sie den Boden saugt. Es ist ja auch alles so wie es sein muss: sie hat den Schlauch fest im Griff und sieht genau, was sie da macht. Offen­sicht­lich ist sie sehr ordent­lich und über­sieht kei­nen Qua­drat­zen­ti­me­ter. Der Staub­sauger macht ordent­lich Krach und signa­li­siert ihr, dass er ein­wand­frei funk­tio­niert.

Doch was für den Betrach­ter die gan­ze Zeit offen­sicht­lich ist (es fin­det kein Staub­saugen statt), wird ihr erst in dem Moment klar, als sie selbst hin­sieht. Sofort fällt die Vor­stel­lung weg, dass sie Staub saugt — wovon sie gera­de noch fest über­zeugt war. Und nicht nur das: ihr ist auch sofort klar, dass es schon die gan­ze Zeit so war. Es war schon die gan­ze Zeit unwich­tig, ob sie sorg­fäl­tig arbei­tet. Und auch das ver­trau­en­er­we­cken­de Geräusch des Staub­saugers macht kei­nen Unter­schied: da ist kein Staub­saugen… 😉

Der Bun­gee-Sprung

Natür­lich haben sei­ne „Freun­de“ fleis­sig an der fal­schen Vor­stel­lung mit­ge­ar­bei­tet, dass er in schwin­deln­der Höhe auf einer Bun­gee-Sprung­platt­form steht. Aber für ihn ist es Rea­li­tät. Sein Herz klopft ihm bis zum Hals, sei­ne Knie zit­tern. Sie wer­den ihm 1000 Mal ver­si­chert haben, dass ihm nichts pas­sie­ren kann bei dem Sprung. Für sie ist das ja auch offen­sicht­lich… Aber aus sei­ner Per­spek­ti­ve ist es der gro­ße Sprung ins Unbe­kann­te. Wie oft hat er wohl nach­ge­fragt, ob das Seil auch hält? Wie oft hat er sich vor­ge­stellt, was alles pas­sie­ren könn­te? Ob er sei­nen Freun­den wohl trau­en kann?

Doch er springt mutig ins Unbe­kann­te und merkt sehr schnell, dass in Wirk­lich­keit gar kein Mut not­wen­dig war. Es war völ­lig egal, ob das Seil hält. Sei­ne Angst, die gan­ze Panik war voll­kom­men unnö­tig. Er war von Anfang an sicher… nur lei­der mit den fal­schen Freun­den unter­wegs. 😉 Das Pro­blem war nur sei­ne Vor­stel­lung — sei­ne Gedan­ken, die er wahr­schein­lich nicht in Fra­ge gestellt hat. Das Lüf­ten des Schlei­ers hat ihn nicht erst in Sicher­heit gebracht — es hat ihn nur von der Vor­stel­lung befreit in Gefahr zu sein.

Wel­chen Unter­schied macht es für ihn, selbst zu sehen was wirk­lich pas­siert? Vor dem Sprung hät­te ihm jeder sei­ner Freun­de immer wie­der ver­si­chern kön­nen, dass alles in Ord­nung ist und er sich kei­ne Sor­gen machen muss. Es wäre immer ein Stück Unsi­cher­heit zurück­ge­blie­ben. Und obwohl sich die rea­le Situa­ti­on in der gan­zen Zeit nicht ändert, ist für ihn nach dem Sprung alles anders. Er könn­te sich sofort wie­der mit ver­bun­de­nen Augen auf die Platt­form stel­len und noch­mal sprin­gen — ohne auch nur die gerings­te Angst zu haben.

Am Bes­ten gefällt mir das Lachen am Schluss. Die­se Befrei­ung. Das Erken­nen, das alles von Anfang an gut war und alle Sor­gen unnö­tig sind. Daher zum Schluss noch eines mei­ner Lieb­lings­vi­de­os mit Moo­ji: