Es gibt kein Zen.“

Samstag, 25. Februar 2012

Die­se Wor­te gehen mir nicht aus dem Kopf. Denn sie sind so wahr. Die Aus­sa­ge war mit neu — aber nicht die Erkennt­nis. Viel­leicht hät­te ich sie nur nicht aus dem Mund eines „Zen-Meis­ters“ erwar­tet. „Ich brau­che kein Zen“ ist genau­so wahr. Wenn alles bereits Zen ist, dann muss ich nichts mehr Zen nen­nen — und kann es auch gar­nicht. Es gibt nichts zu tun, denn alles ist voll­kom­men. Genau so, wie Es sich immer jetzt aus­drückt.


Da ist immer noch der Ver­such das gest­ri­ge Gespräch ein­zu­ord­nen. Mit wel­chen Erwar­tun­gen war ich nach Mühl­heim gefah­ren? Mit wel­chen „Ergeb­nis­sen“ fuhr ich wie­der nach hau­se? Wir haben uns eine Stun­de unter­hal­ten, aber ich habe das Gefühl kei­ne zwei Sät­ze dar­über erzäh­len zu kön­nen. Und doch war es so, dass es ein „Gespräch in der Stil­le“ gab, über das es unend­lich viel zu sagen gäbe.

Wie­der ste­he ich vor die­sem Para­do­xon. Da gibt es das „Wis­sen aus der Stil­le“ und die Gedan­ken in mei­nem Kopf — und bei­de Sei­ten schei­nen unter­schied­li­che Din­ge zu behaup­ten, die sich gegen­sei­tig aus­schlies­sen. Der Kopf sagt, dass nichts pas­siert ist, dass das Gespräch kein Ergeb­nis gebracht habe, dass ich jetzt auch nicht schlau­er bin als vor­her, nicht weiss, ob ich jetzt ein „Schü­ler“ bin, nicht weiss wie es wei­ter geht. Aber in der Stil­le ist unver­än­dert klar: es ist weder ein Meis­ter not­wen­dig, noch eine Koan-Schu­lung, noch das Zen. Es gibt nur Anfän­ger, die in jedem Moment neu das Koan des Lebens gestellt bekom­men.

Ich bin frei — und war es schon immer. Es gibt kei­nen Grund auch nur eine wei­te­re Sekun­de im Zazen zu ver­brin­gen. Und es gibt kei­nen Grund es nicht zu tun. Die­se Frei­heit, die­ser Frie­den und die­se Dank­bar­keit drü­cken sich in allem aus, was ich tue, sage und zei­ge. Es ist unmög­lich mein Geschenk nicht wei­ter­zu­ge­ben. Und doch erken­ne ich im Sit­zen, in der Gemein­schaft, in Zazen-kais, Sess­hins und im Doku­san einen tie­fen Sinn, der nichts mit einer erklär­ba­ren Logik zu tun hat.