Freier Wille.

Sonntag, 5. Juni 2011

Also über den frei­en Wil­len müs­sen wir uns nicht strei­ten, oder? Das ist doch wohl völ­lig klar, daß „ich“ hier bewusst und frei mei­ne Ent­schei­dun­gen tref­fen. Wie soll­te es auch sonst sein?


Ist das denn wirk­lich wahr? „Frei­er Wil­le“ wür­de ja bedeu­ten, daß Du Dich in Dei­ner Ent­schei­dung von nichts beein­flus­sen läßt, und daher eben völ­lig frei ent­schei­den kannst. Das kann ja schon mal grund­sätz­lich nicht sein, denn bei einer Ent­schei­dung wird ja zwi­schen zwei oder mehr Alter­na­ti­ven aus­ge­wählt, in dem man die ver­schie­de­nen Vor- und Nach­tei­le gegen­ein­an­der abwägt. Also liegt die Ent­schei­dung doch gar nicht bei mir, son­dern steckt bereits in äuße­ren Umstän­den, die ich nur beur­tei­le. Und die­se per­sön­li­che Beur­tei­lung geschieht auch nicht frei, denn Dei­ne Prä­fe­ren­zen erge­ben sich aus Dei­nen bis­he­ri­gen Erfah­run­gen und wei­te­ren Umwelt­ein­flüs­sen.

Sagen wir mal ich wür­de Dir zwei ver­schie­de­ne Din­ge anbie­ten, zwi­schen denen Du „völ­lig frei“ wäh­len kannst: eine Büro­klam­mer auf der einen Sei­te und 1000 Euro auf der ande­ren Sei­te. Für was wür­dest Du Dich ent­schei­den? Natür­lich für das Geld, oder nicht? Es sei denn, Dein Leben hin­ge gera­de zufäl­lig vom Besitz einer Büro­klam­mer ab… Egal wie Du Dich wirk­lich ent­schei­dest, könn­ten wir wahr­schein­lich sehr schnell Dut­zen­de Fak­to­ren aus­ma­chen, die zu der Ent­schei­dung geführt haben. Bei eini­gen könn­ten wir uns dar­über strei­ten, ob es wirk­lich äuße­re Fak­to­ren sind, oder sie nicht eigent­lich Dei­nem „frei­en Wil­len“ unter­lie­gen. Bei ande­ren wirst Du zuge­ben müs­sen, daß Du ein­deu­tig von aus­sen bei Dei­ner Ent­schei­dung beein­flußt wor­den bist.

Ich fin­de aber einen ganz ande­ren Punkt viel inter­es­san­ter: wie frei ist Dei­ne Ent­schei­dung, wenn ICH doch vor­ge­ge­ben habe, zwi­schen wel­chen Din­gen Du Dich ent­schei­den kannst? Was, wenn ich aus der Büro­klam­mer eine Mil­li­on Euro gemacht hät­te: hät­test Du Dich dann auch für die 1000 Euro ent­schie­den? Und wie­so beschäf­tigst Du Dich gera­de mit die­ser Ent­schei­dungs­fra­ge? Auch nur wegen mir.

Wie Scho­pen­hau­er schon gesagt hat: „Du kannst zwar tun was Du willst — aber nicht wol­len, was Du willst.“ Natür­lich ist da das Erle­ben eine Ent­schei­dung getrof­fen zu haben. Aber einen wirk­lich frei­en Wil­len kann ich dahin­ter nicht ent­de­cken. Immer spie­len so vie­le Fak­to­ren eine Rol­le, die ich über­haupt gar nicht beein­flus­sen konn­te. Im Grun­de müss­te man jede Ent­schei­dungs­ket­te bis zum Urknall zurück­ver­fol­gen kön­nen und müs­sen. Wo steckt dar­in „mein frei­er Wil­le“?