Für M.

Montag, 30. Dezember 2013

Hast Du mal ‚nen Euro?“ ist eine Fra­ge, die man rela­tiv schnell ein­deu­tig beant­wor­ten kann. Man greift in die Tasche und iden­ti­fi­ziert alle Din­ge, die zum Vor­schein kom­men. Wenn da kein Euro dabei ist, hat man auch kei­nen. Zwei­fels­frei. Es gibt kei­ne Unsi­cher­heit, weil es sich so anfühlt, als sei da doch ein Euro in der Tasche. Oder weil man sich meint zu erin­nern, dass ges­tern noch einer drin war. Oder weil alle sagen, da müs­se einer sein. Du hast selbst nach­ge­se­hen und kennst die Wahr­heit.

Ist das wirk­lich so viel schwie­ri­ger, wenn ich nach dem Ich fra­ge? Natür­lich gibt es kei­ne Tasche in die man grei­fen könn­te. Aber es gibt eine sehr über­schau­ba­re Zahl von Din­gen unter denen es zu fin­den sein müss­te. Wor­aus besteht unse­re Rea­li­tät? Wenn wir mal an die Wur­zel gehen, gibt es nur die Infor­ma­tio­nen der fünf Sin­ne.

Man­che Din­ge exis­tie­ren, weil man sie sehen kann. Ande­re kann man hören oder füh­len. Oder natür­lich alles gleich­zei­tig. Dann gibt es noch den Geruch und den Geschmack und wir haben alle Ele­men­te bei­sam­men, aus denen sich die Welt zusam­men­setzt. Oder kannst Du irgend­et­was fin­den, des­sen Exis­tenz außer­halb die­ser fünf Kanä­le liegt? Das Den­ken viel­leicht, obwohl das ja ent­we­der Bil­der sind, die man qua­si inner­lich sieht, oder Wor­te die man hört. Sagen wir mal, das Den­ken ist ein sechs­ter Kanal.

Wir haben jetzt also sechs ver­schie­de­ne Din­ge aus der Tasche geholt. Wel­ches davon ist das Ich? Ist es dabei? Wenn man es sehen kann, haben wir nicht das Ich gefun­den, son­dern einen Sin­nes­ein­druck des Kanals „Sehen“. Glei­ches gilt für alle ande­ren Kanä­le. Der Gedan­ke an ein Ich ist nicht das Ich selbst. Es ist ein Gedan­ke. Wenn es als eige­nes, unab­hän­gi­ges Ding exis­tie­ren soll, müss­te es also etwas sein, das zusätz­lich zu den sechs Kanä­len exis­tiert. Kannst Du so etwas fin­den?