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Mittwoch, 28. November 2012

Auf dem Markt­platz herrscht ein bun­tes Trei­ben. Jeder preist sei­ne Ware laut­hals an. „Neu­er! Bes­ser! Wah­rer!“ Wenn man in dem Busi­ness etwas wer­den will, muss man stän­dig neue Vide­os lie­fern, oder Bücher. Zumin­dest schreibt man mög­lichst täg­lich neue Twit­ter- oder Face­book-Updates mit schlau­en Sprü­chen, bedeut­sa­men Tex­ten oder ein­fach nur Fra­gen, die das eige­ne Ver­ständ­nis demons­trie­ren sol­len. Die wer­den dann flei­ßig kom­men­tiert und mit noch mehr schlau­en Sprü­chen ange­rei­chert.

Dann gibt es auch noch Über­zeu­gun­gen, Hal­tun­gen, Metho­den und Per­so­nen zu ver­tei­di­gen. Nicht, dass noch jemand das Fal­sche als rich­tig dar­stellt, die eige­nen Über­zeu­gun­gen unter­gräbt oder das Nest beschmutzt. Die Höchst­stra­fe gibt es für den Ver­such „das Erken­nen der Wahr­heit“ gegen Geld anzu­bie­ten.

War­um muss man Inter­net­sei­ten pro­mo­ten, mög­lichst vie­le Men­schen an die eige­ne Sicht­wei­se her­an­füh­ren oder gar „befrei­en“? War­um ist es wich­tig, dass man gehört oder gele­sen wird? War­um muss man erklä­ren und mit­tei­len? War­um schrei­be ich das hier über­haupt — und wei­se auf den neu­en Arti­kel dann auch noch per Face­book hin?

Mich inter­es­siert nicht mehr, was Jeff Fos­ter, Bent­in­ho Mas­s­a­ro, Ganga­ji oder der Dalai Lama auf Face­book zu sagen haben. Ver­mut­lich wür­de ich auch die News von Bud­dha oder Jesus nicht mehr lesen. Was gibt es schon zu sagen, das nicht sowie­so immer wäh­rend offen­sicht­lich ist? Wie vie­le Auto­ri­tä­ten für Wahr­heit kann es denn geben?

Mich inter­es­siert der direk­te Aus­tausch. Ein ech­tes Begeg­nen — egal, ob real oder vir­tu­ell. Viel­leicht ist das auch mei­ne Moti­va­ti­on zu schrei­ben. Mein Ange­bot auf dem Markt­platz. Da sein. Sich öff­nen. Tei­len. Eine offe­ne Ein­la­dung sich aus­zu­tau­schen: hier im Chat, in der Kas­sen­schlan­ge, auf dem Sofa.