Geschenkt.

Freitag, 11. November 2011

Es gibt die­se Momen­te im Leben, die unter die Haut gehen. Sie berüh­ren nicht ober­fläch­lich, sie gehen auch nicht nur leicht unter die Haut (wie ein Schreck zum Bei­spiel). Die­se Momen­te gehen mit­ten ins Herz. Berüh­ren an der tiefs­ten Stel­le. In ihnen steckt eine unmit­tel­ba­re und uni­ver­sel­le Wahr­heit, die nicht zu leug­nen ist. Und doch fällt es schwer zu for­mu­lie­ren, wor­in die­se Wahr­heit besteht.


Ein schüch­ter­nes, jun­ges Mäd­chen steht auf der gro­ßen Büh­ne eines Song-Con­test und singt gegen jede Erwar­tung mit einer unglaub­li­chen Stim­me und vol­ler Gefühl. Ein alter Mann räumt in einem Schnell­re­stau­rant die Tabletts weg, macht sau­ber und strahlt dabei so viel Stolz aus. Ein jun­ger Vater ist leicht über­for­dert mit der neu­en Situa­ti­on und hört doch nicht auf immer wie­der ver­wun­dert über das gro­ße Glück zu sein.

Wir ent­de­cken die Lie­be, die in all‘ die­sen Momen­ten steckt. Wir ver­ste­hen sie ohne ein Wort, ohne Erklä­rung. Das Ver­ste­hen ist ein­fach da — wie ein Geschenk.

Das größ­te Geschenk ist aber die­se Lie­be in jedem Moment zu sehen. Auch in Trau­er oder Wut. Im All­täg­li­chen. Sogar in der Form einer Tas­se. Zu sehen, dass die­se Lie­be nicht in den Din­gen steckt und auch nicht in mir. Son­dern dass nichts exis­tiert aus­ser die­ser Lie­be. Dass „ich“ die­se Lie­be bin. Dass alles die­se Lie­be ist.