Positionsbestimmung.

Freitag, 28. Oktober 2011

Das ist schon sehr merk­wür­dig. Ich mei­ne… hört sich das nicht alles komisch an, was ich hier so schrei­be? Hast Du nicht das Gefühl, dass es hier um irgend­ei­ne ziem­lich abge­fah­re­ne Sache geht, die mit Dir so gar­nichts zu tun hat? Um eine Art von Glau­ben oder viel­leicht sogar ein­fach nur um tota­len Unsinn?


Manch­mal kommt es mir auch so vor. Und ich bin froh, dass ich das hier schrei­ben kann und nicht mit Dir dar­über reden muss. Ein paar Mal habe ich das schon ver­sucht — aber es funk­tio­niert nicht. Genau­so gut könn­te ich erzäh­len, dass ich eigent­lich vom Mars kom­me. Das passt alles nicht in das nor­ma­le Welt­bild.

Nur… dadurch ist es ja nicht auto­ma­tisch unsin­nig oder abge­ho­ben. Mir kommt es viel ver­rück­ter vor, auf wel­chem Weg die­se Gedan­ken von mei­nem Kopf in Dei­nen wan­dern — per WLAN und Inter­net. Die­se kom­pli­zier­te Tech­nik scheint völ­lig nor­mal dazu zu gehö­ren und ist längst nichts Merk­wür­di­ges mehr. Aber die Suche nach sich selbst, nach dem „Sinn des Lebens“, oder wie immer man das auch nen­nen mag, anschei­nend schon.

Aber ist das nicht (wort-wört­lich) exis­ten­zi­ell wich­tig? Ohne zu wis­sen, was die­ses „Ich“ wirk­lich ist — was kann man da über­haupt wis­sen? Das ist so ähn­lich wie der Ver­such den Weg zum Ziel auf einer Land­kar­te zu suchen, ohne zu wis­sen, wo man gera­de ist. Ohne Posi­ti­ons­be­stim­mung kann ich nur etwas anneh­men und dann gucken, ob die erwar­te­ten Gabel­lun­gen und Land­mar­ken auf mei­nem Weg auf­tau­chen. Tun sie das nicht, wird immer wie­der neu geschätzt. Was aber, wenn die Kar­te über­haupt nichts mit dem Ort zu tun hat, an dem Du Dich gera­de befin­dest? Wo wirst Du ankom­men?

Die­ser gan­ze Ärger über Weg­ga­bel­lun­gen, die nicht so sind wie auf der Kar­te — oder zumin­dest nicht so, wie man gedacht hat, dass sie sind, und die die gan­ze Pla­nung kaputt machen. Die­ser Frust immer noch nir­gend­wo ange­kom­men zu sein. Und die­se sch… Kar­te, die wahr­schein­lich der Teu­fel selbst gezeich­net hat. Nur… sich Zeit für eine Posi­ti­ons­be­stim­mung zu neh­men ist natür­lich Quatsch.

Was aber wenn Du Dir die Zeit nimmst und fest­stellst, dass Du schon längst da bist? Und mehr noch: dass Du Dich die gan­ze Zeit nicht einen Mil­li­me­ter von Dei­nem Ziel ent­fernt hast? Dass die gan­ze Anstren­gung und der Ärger abso­lut unnö­tig waren? Weil Du schon immer da warst. Vor ein paar Jah­ren genau­so wie jetzt gera­de. Du bist da. Ehr­lich.

Was ich hier schrei­be, hört sich nur komisch für Dich an, weil Du mei­ne Beschrei­bun­gen mit Dei­ner Kar­te ver­gleichst. Die Orte, von denen ich rede, gibt es dort gar­nicht. Ande­re hören sich ver­traut an, wer­den aber völ­lig anders beschrie­ben, als Du sie Dir vor­stellst.

Du weisst genau, wo Du jetzt bist. Du bist jetzt und hier. Oder etwa nicht? Um die­se Gewiss­heit dreht sich hier alles. Nicht mehr, aber auch nicht weni­ger. Kein Hokus Pokus, kein merk­wür­di­ger Glau­ben an Din­ge, die mit Dir nichts zu tun haben. Ich möch­te nur, das Du mal kurz den Fin­ger von der Kar­te nimmst, um zu gucken, wo Du jetzt gera­de bist.