Immer da.

Freitag, 13. Mai 2011

Es gibt ein unwan­del­ba­res „Ich“, das immer da ist. Immer das­sel­be „Ich“. Wenn ich ges­tern schlech­te Lau­ne hat­te und heu­te gute: es ist ein und das­sel­be „Ich“, dem das pas­siert. Gute Gedan­ken, schlech­te Gedan­ken, Ärger, Wut, Glück… alles, was die­se Geschich­te einer Per­son aus­macht, pas­siert die­sem einen, unver­än­der­li­chen, immer glei­chen „Ich“.


Es muss ja auch die­sen einen, unver­än­der­li­chen Refe­renz­punkt geben, auf den sich all die ver­schie­de­nen Ereig­nis­se und Wahr­neh­mun­gen bezie­hen. Nur so ist es mög­lich, dass es eine Iden­ti­fi­ka­ti­on damit gibt. Sind nicht alle Erleb­nis­se in Dei­nem Leben auch immer „Dir“ pas­siert? Der ers­te Schul­tag, die ers­te gro­ße Lie­be, der ers­te Job… warst „Du“ nicht immer da, um das zu erle­ben? Und war es nicht immer das­sel­be „Du“? Es muss ja so sein, denn sonst wür­dest Du die­se Erleb­nis­se nicht als Dei­ne Erleb­nis­se betrach­ten.

Aber was ist die­ses unver­än­der­li­che „Du“? Es kann ja kei­nes der ver­än­der­li­chen Din­ge sein, die „Du“ wahr­nimmst. „Du“ kannst nicht die Gedan­ken sein, denn die ändern sich stän­dig und sind auch nicht immer da. „Du“ aber schon. „Du“ kannst auch nicht der Kör­per sein, denn auch der ändert sich stän­dig. Guck‘ Dir mal alte Fotos von „Dir“ an… ist das der­sel­be Kör­per, den Du jetzt im Spie­gel sehen kannst?

Du“ bist immer da. Und Du kannst dem auch nicht ent­kom­men. Oder kannst Du auch nur für einen Moment nicht da sein? Versuch’s mal… Aber kannst Du auch erken­nen, was „Du“ bist? Ganz offen­sicht­lich kannst „Du“ ja in kei­ner Dei­ner Wahr­neh­mun­gen auf­tau­chen. Denn dann müss­te es ja ein wei­te­res „Du“ geben, dass die­ses „Du“ wahr­nimmt. Wenn „Du“ aber nicht mit allen Dei­nen Sin­nen zu erfas­sen bist — wel­che Eigen­schaf­ten kannst „Du“ dann haben? Kannst „Du“ einen Namen haben? Kannst „Du“ ein Alter haben? Eine Form? Nein, „Du“ bist nichts von alle­dem. Ohne Eigen­schaf­ten. Ohne Beschrei­bun­gen. Daher kannst Du „Dich“ auch nicht beschrei­ben, nicht dar­über reden. „Du“ kann nur über das beschrie­ben wer­den, was „Du“ nicht bist.

Und doch gibt es eine unum­stöß­li­che Gewiss­heit: „Du“ bist. Das ist viel­leicht das Ein­zi­ge, das Du über „Dich“ wis­sen kannst. Und Du kannst es zu jedem belie­bi­gen Moment über­prü­fen. Bist „Du“ jetzt da? Natür­lich bist Du das. Und ist die­ses Da-sein an eine Bedin­gung geknüpft? Kann es kom­men und gehen? Kann es stär­ker oder schwä­cher wer­den? Braucht die­ses Da-sein irgend­et­was? Glück, Lie­be, Geld?

Du“ bist rei­nes Sein. Bedin­gungs­los. Eigen­schafts­los. Unsterb­lich? Wenn „Du“ kei­ne Eigen­schaf­ten hast, wie kannst Du dann wis­sen, ob „Du“ ster­ben kannst? Und wie kannst „Du“ dann etwas Per­sön­li­ches sein? Kann es meh­re­re „Dus“ geben, oder gibt es nur das eine „Du“…?