Nußschale.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Ich trei­be in einer Nuß­scha­le auf einem Fluß. Lan­ge Zeit war das span­nend, weil ich mir immer ein­ge­re­det habe, daß ich für die gan­zen Dre­hun­gen und Rich­tungs­wech­sel ver­ant­wort­lich bin. Es schient so, als könn­te ich mit einer geschick­ten Dre­hung in den ruhi­ge­ren, schö­ne­ren Teil des Stroms wech­seln. Und wenn das nicht gelang, war die Dre­hung halt nicht gut genug. Beim nächs­ten Ver­such viel­leicht…

Was aber, wenn die Dre­hun­gen und Rich­tungs­wech­sel immer schon der Fluß selbst gemacht hat? Wenn ich über­haupt kei­nen Ein­fluß dar­auf habe, was mit mei­ner Nuß­scha­le pas­siert? Was mache ich dann? Ein­fach nur dasit­zen und raus sehen? Was bis­her eine span­nen­de Her­aus­for­de­rung war, ist lang­wei­lig gewor­den. Manch­mal sogar frus­trie­rend. Denn ich wür­de immer noch ger­ne in der ruhi­gen Mit­te schwim­men, weiß aber jetzt, daß ich das in keins­ter Wei­se beein­flus­sen kann.

In der Nuß­scha­le sitzt nie­mand. Ich bin der Fluß, auf dem sie tanzt — mal in ruhi­gem und mal in wil­dem Was­ser. Wel­chen Unter­schied macht das? Der Fluß fließt. Die Nuß­scha­le tanzt. Wen kümmert’s?