Offline.

Sonntag, 10. Juli 2011

Mit Goog­le+ ist gera­de ein wei­te­res sozia­les Netz­werk gestar­tet, bei dem ich eine Iden­ti­tät anle­gen kann. Auf Xing ist man „Geschäfts­mann“, bei Face­book eher pri­vat,  bei Twit­ter irgend­was dazwi­schen. Wie vie­le Online-Iden­ti­tä­ten haben ich eigent­lich?


Dabei ist das ja eigent­lich nicht anders als im rea­len Leben. Mei­ne Kol­le­gen bei der Arbeit haben sicher­lich ein ande­res Bild von mir, als mei­ne Freun­de oder die Fami­lie. Dabei bin „ich“ doch immer der Sel­be, oder nicht? Das bin doch alles „ich“. Oder?

Was ist also der Kern des Gan­zen? Was bin wirk­lich „ich“ und nicht eine digi­ta­le Iden­ti­tät von mir, oder eine „Rol­le“? Was kann ich alles weg­las­sen, off­line neh­men, ohne „mich“ dabei zu ver­lie­ren?

Fan­gen wir doch mal ganz grund­sätz­lich an: gibt es mich über­haupt? Exis­tie­re ich? Ja. Muss ja wohl. Dar­über kann man nicht strei­ten, und es könn­te mir auch kei­ner aus­re­den. Aber: woher weiss ich das? Woher weiss ich, dass ich exis­tie­re? Kommt die Ant­wort, die Gewiss­heit, aus einem Gedan­ken? Oder ist das ein Gefühl im Kör­per? Oder ist die Gewiss­heit, dass ich exis­tie­re nicht auch da, wenn gera­de kein Gedan­ke auf­taucht? Oder wenn ich gera­de nichts füh­le? Oder sehe, höre, rie­che, schme­cke… Hat mei­ne Gewiss­heit zu exis­tie­ren irgend­et­was mit Sin­nes­wahr­neh­mun­gen, Gedan­ken oder der Welt da draus­sen zu tun? Nein, ganz und gar­nicht.

Ich bin“ auch ohne das alles. Unab­hän­gig davon. Ich brau­che weder Gedan­ken an die Ver­gan­gen­heit (mei­ne Erfah­run­gen), um „ich bin“ zu erfah­ren, noch braucht es irgend­ei­ne äuße­re Bestä­ti­gung. „Ich bin“ auch ohne Gedan­ken, ohne Sin­nes­ein­drü­cke oder Gefüh­le. Ich kann das alles weg­las­sen und doch bleibt „ich bin“ übrig. Nichts von dem defi­niert „mich“.

Was bleibt bei Dir übrig, wenn Du ein­fach mal off­line bist? Wenn Du ein­fach mal Dei­ne Gedan­ken bei­sei­te lässt. Und alles, was gera­de gese­hen, gehört oder gefühlt wird. Wenn Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukunft ein­fach mal aus­ge­blen­det wer­den. Was bleibt bei Dir übrig, das kein Gedan­ke ist, kein Gefühl, kein Sin­nes­ein­druck? Ist da noch etwas? Bist „Du“ noch da?