Ozean.

Montag, 4. Juli 2011

Es gibt ein Bild in ver­schie­de­nen non­dua­len Tra­di­tio­nen, das ich immer wie­der sehr pas­send fin­den, um auf DAS hin­zu­wei­sen. Jeff Fos­ter hat es gera­de in sei­nen Noti­zen auf Face­book wie­der benutzt. Es ist das Bild des Oze­ans und der Wel­le.


Du nimmst Dich wahr­schein­lich als eine Per­son wahr, die „getrennt“ von den ande­ren Per­so­nen da draus­sen exis­tiert. Über­haupt gibt es anschei­nend ein­deu­tig Dich hier und vie­les ande­re aus­ser­halb von Dir. Du unter­schei­dest Dich von Dei­nem Nach­barn, Dei­nen Freun­den und mir. Ihr seid zwar auf dem glei­chen Pla­ne­ten, aber doch ein­deu­tig getrennt. Es ist ja auch rich­tig, dass die For­men sich unter­schei­den.

Wenn wir das jetzt mit den Wel­len auf dem Oze­an ver­glei­chen, bist Du also eine Wel­le und ich auch. Viel­leicht bist Du sogar eine grö­ße­re Wel­le und kommst schnel­ler vor­an. Wäh­rend ich mich lang­sam auf die kal­te Ark­tis zube­we­ge, war­tet auf Dich wahr­schein­lich ein schö­ner, son­ni­ger Süd­see­strand. Unse­re bei­den Wel­len unter­schei­den sich ein­deu­tig in ihrer Form. Aber wie unter­schei­den sie sich vom Oze­an?

Gibt es den Oze­an auf der einen Sei­te und die Wel­len getrennt davon auf der ande­ren? Viel­leicht ist ja ein Oze­an ohne Wel­len denk­bar — aber kann es die Wel­len ohne den Oze­an geben? Die Wel­len mögen sich in ihrer Form unter­schei­den, aber in ihrer Essenz sind sie der Oze­an. Nicht zwei ver­schie­de­ne Ozea­ne: nein, der eine, ein­zi­ge Oze­an. Man könn­te auch sagen, dass es nur den Oze­an gibt und die Wel­len sind ein­fach nur eine Form, die er annimmt. Erst durch das Anneh­men die­ser For­men ent­steht eine Unter­schei­dung in Du und ich.

Was pas­siert denn, wenn Du, die Wel­le, den Strand erreicht? Die Form der Wel­le ver­schwin­det — aber der Oze­an ist immer noch da. Ihm fehlt nicht mal ein Trop­fen. Da ist ein­fach nur wei­ter­hin das Spiel der Wel­len. So wie vor­her auch schon. Wie es immer war und immer sein wird. Macht sich der Oze­an Gedan­ken um die Wel­len? Sind bestimm­te Wel­len wich­ti­ger als ande­re?

Das, was Du als Dei­ne Per­son wahr­nimmst, ist nur genau das: eine Wahr­neh­mung. Eine Wel­le. Alles, was Du wahr­nimmst, sind die Wel­len auf dem Oze­an. Alles, was Du wahr­nimmst, sind die For­men, die der Oze­an gera­de annimmt. Alles, was Du wahr­nimmst, ist der Oze­an. Alles. DICH ein­ge­schlos­sen. Es gibt nicht den Oze­an und Dich. Es gibt nur Dich. Es gibt nur den Oze­an.