Ohne Eigenschaften?

Mittwoch, 23. November 2011

Mei­ne Augen sehen, was um mich her­um geschieht. Die Gedan­ken in mei­nem Kopf erzäh­len mein Leben. Es gibt so vie­le Ein­drü­cke, die in jedem Moment ver­ar­bei­tet wer­den. Sie füh­ren zu Erleb­nis­sen, sto­ßen Gedan­ken an und schei­nen zu Ent­schei­dun­gen und Hand­lun­gen zu füh­ren. Die­se Maschi­ne läuft auch in den ganz lei­sen, unbe­weg­ten Momen­ten.


Doch all‘ das, das gan­ze Leben, alles was exis­tiert, erscheint in mir, Gott, der Stil­le. Ich bin vor jedem Moment, vor jedem Gedan­ken, vor allem bereits da. Ein­fach nur da. Nur da. Sonst nichts. Was ich bin, ist mehr als nur ein Beob­ach­ter. Es ist mehr wie der Raum, in dem alles statt­fin­det. Ohne Unter­schied darf hier alles sein. Lie­be und Lei­den. Freu­de und Schmerz. Gut und Böse. Die­se Dua­li­tät gibt es für mich, Gott, die Stil­le, die­sen Raum nicht. Alles IST glei­cher­ma­ßen.

Und doch hat die­se Stil­le eine Qua­li­tät. Nicht im Sin­ne von „lei­se“ oder „groß“. Es ist kei­ne Eigen­schaft der Stil­le. Aber die Stil­le IST etwas. Die Stil­le ist nicht Stil­le, son­dern die­se Qua­li­tät. Eini­ge beschrei­ben das als „Lie­be“ oder „abso­lu­tes Anneh­men“ oder auch ein­fach nur „Sein“. Das ist wahr — aber auch irgend­wie unzu­rei­chend. Sobald man es in ein Wort klei­det, fehlt bereits ein Stück.