Panik.

Samstag, 16. März 2013

Es war ganz sicher kein beson­ders gro­ßer oder schwie­ri­ger Ein­griff. Aber die letz­ten zwei Tage im Kran­ken­haus waren echt anstren­gend für mich. Nicht durch die Nase atmen zu kön­nen, lös­te regel­recht Panik aus. Wie geht man damit mög­lichst „erleuch­tet“ um? Ich wür­de sagen: gar nicht.

Das sonst so ent­spann­te „Über-den-Din­gen-ste­hen“ war ein­fach weg. Ersetzt durch Panik. Die blan­ke, irra­tio­na­le Angst davor ersti­cken zu kön­nen. Und alles, was zumin­dest zeit­wei­se dage­gen half, war purer Aktio­nis­mus: umher­lau­fen, irgend­was machen, mit ande­ren spre­chen — ein­fach ablen­ken. Denn rein ratio­nal gese­hen gab es ja kein Pro­blem. Durch den Mund zu atmen reicht voll­kom­men aus, um zu über­le­ben. 😉 Sogar tage- oder wochen­lang. Doch ana­ly­ti­sches Den­ken beein­druck­te die Angst nicht.

Es mach­te auch kei­nen Sinn sich auf die Posi­ti­on zurück­zu­zie­hen „ich bin nicht der Kör­per“. Was für ein lächer­li­cher Ver­such… Im Grun­de war es nur eine Vari­an­te des logi­schen Den­kens und mach­te kei­ner­lei Unter­schied. Dafür kamen nun zusätz­lich noch Zwei­fel auf, was die­ses gan­ze spi­ri­tu­el­le Gefa­sel denn soll, wenn es in so einem Moment kei­nen Unter­schied macht. Was hat es genützt ent­deckt zu haben, wer oder was ich wirk­lich bin?

All das war gut, denn es hat mich irgend­wann qua­si an den Aus­gangs­punkt der Suche zurück­ge­bracht — mit der Fra­ge: was ist jetzt wirk­lich da? Da war die Angst vor dem Ersti­cken. Aber war ich wirk­lich am Ersti­cken? Nein. Luft war aus­rei­chend vor­han­den. Das Atmen war anders als sonst (durch den Mund). Was mir so zu schaf­fen mach­te, war also eine gedank­li­che Pro­jek­ti­on in die Zukunft: es könn­te ja sein, dass… Was war noch da? Der Kör­per war total ange­spannt. Beson­ders die Bauch­de­cke. Und allein schon das bewuss­te Ent­span­nen des Bau­ches, mach­te einen rie­si­gen Unter­schied im Emp­fin­den. Und natür­lich war halt ein­fach alles da, was die Wahr­neh­mung gera­de aus­mach­te. So wie immer. Nur, dass die Inhal­te aus­nahms­wei­se mal nicht so schön waren.

Eigent­lich bedarf es nicht ein­mal ein Anneh­men. Auch nicht-ange­nom­men ist die­ser Moment so, wie er jetzt ist.

In „guten Zei­ten“ erfin­den wir Geschich­ten über Erleuch­tung und Befrei­ung. Machen uns auf, die­ses Bild zu fin­den. Wir erler­nen den Kri­te­ri­en­ka­ta­log, der uns anzei­gen soll, wann wir da sind. War­um gehö­ren nur schö­ne Din­ge dazu? War­um ist über den Din­gen ste­hen ok, aber Panik nicht? War­um scheint Medi­ta­ti­on „näher dran“ zu sein als Lügen und Steh­len? War­um muss das hier jetzt eine bestimm­te Form oder einen bestimm­ten Inhalt haben, damit es „gut“ ist?

Es gibt kei­ne Befrei­ung von dem hier. Kei­ne Wunschrea­li­tät. Kei­ne hei­li­ges Land und kein Nir­wa­na. Kei­ne Erleuch­tung. Nichts zu errei­chen, was nicht schon da wäre. Angst und Lie­be sind gleich hei­lig. Und gleich leer.