Warum bin ich noch nicht erleuchtet?

Sonntag, 2. Dezember 2012

Rupert hat ein wun­der­vol­les Video ins Netz gestellt, das ich bei Jan­a­ka ent­deckt habe:
Why am I Not Enligh­te­ned Yet?

Why am I Not Enlightened Yet?

In den zwan­zig Minu­ten des Vide­os ist alles gesagt. Er erklärt die Erleuch­tung anhand der Fern­seh-Meta­pher. Er stellt zwei, drei ein­fa­che Fra­gen und erin­nert so dar­an, wie ein­fach das alles ist. Wie fun­da­men­tal klar und offen­sicht­lich. Bril­li­ant. Per­fekt.

Ich ver­su­che mal eini­ge Pas­sa­gen auf Deutsch wie­der­zu­ge­ben:

Stell‘ Dir vor, Du siehst einen Film. Da ist eine wun­der­schö­ne Land­schaft zu sehen. Es kommt jemand her­ein und sagt: „Siehst Du den Bild­schirm?“ Was machst Du? Wenn der Fern­se­her aus ist, ist da ein­fach nur der Bild­schirm. Du machst den Fern­se­her an und der Land­schafts­film ist zu sehen. Der Bild­schirm ist nicht ver­schwun­den, aber er erscheint jetzt als der Film. Du siehst Dir die­se tol­le Land­schaft an und ver­gisst alles ande­re. Dann kommt jemand rein und fragt Dich, was Du siehst. „Eine wun­der­schö­ne Land­schaft.“ Er sagt: „Siehst Du den Bild­schirm?“

Siehst Du nicht schon die gan­ze Zeit den Bild­schirm an? Er erscheint jetzt gera­de als der Film, aber es ist immer noch der glei­che Bild­schirm, den Du vor dem Start des Films gese­hen hast. Ist also das Sehen des Bild­schirms ein neu­es Ereig­nis? Taucht der Bild­schirm im Film auf?

Die Suche nach Erleuch­tung ist die Suche nach einem Ereig­nis im Film. Und solan­ge Du nach einem Ereig­nis inner­halb des Films suchst, scheint es so, als wür­dest Du den Bild­schirm nicht sehen. Denn Dei­ne Auf­merk­sam­keit ist bei den Objek­ten im Film. Wenn Du Dir also den Film anguckst, was muss Du tun, um den Bild­schirm zu sehen?

Der Bild­schirm ist nichts Neu­es, das hin­zu­kommt. Erleuch­tung ist nichts Neu­es. Nichts, das ver­lo­ren gegan­gen ist und wie­der­ge­fun­den wer­den müss­te. Man könn­te höchs­tens sagen, dass sie über­se­hen wur­de. Aber weil wir so sehr in den Film ein­ge­taucht sind, suchen wir den Bild­schirm dort. Es ist also so, als ob ein Schau­spie­ler im Film auf der Suche nach dem Bild­schirm ist.

Du suchst in Dei­nem Leben nach einem Ereig­nis, dass Du Erleuch­tung nennst. Aber Erleuch­tung ist kein Ereig­nis inner­halb des Films, son­dern das Bemer­ken des Bild­schirms. Und mit die­sem Bemer­ken ist gleich­zei­tig auch klar, dass Du schon die gan­ze Zeit den Bild­schirm siehst. Es gab nicht einen Moment, an dem der Bild­schirm nicht gese­hen wur­de. Aber durch die Ereig­nis­se des Films warst Du davon abge­lenkt. Du bist schon die gan­ze Zeit Bewusst­sein, Wahr­neh­mung.

Die Suche nach dem wah­ren Selbst oder das Los­wer­den-wol­len des Egos sind Din­ge, die im Film pas­sie­ren. Ist das Sehen des Bild­schirms davon abhän­gig, ob bestimmt Ereig­nis­se im Film gesche­hen oder nicht? Kann der Bild­schirm erst wahr­ge­nom­men wer­den, wenn eine bestimm­te Stel­le des Films erreicht ist?

Ist es nicht offen­sicht­lich, dass Du der­je­ni­ge bist, der sich sei­ner Erfah­run­gen / sei­ner Wahr­neh­mung bewusst ist? Wenn Du Dei­ne Auf­merk­sam­keit jetzt auf die­sen Wahr­neh­men­den rich­ten soll­test: wo wür­dest Du hin­ge­hen? In wel­cher Rich­tung müss­test Du suchen? Die­ses Bewusst­sein, das Du bist, ist immer da. Was soll da erleuch­tet wer­den? Es ist bereits das Licht, in dem alles wahr­ge­nom­men wird.