Subjekt.

Mittwoch, 1. Juni 2011

In „Objek­te.“ haben wir her­aus­ge­fun­den, was wir alles nicht sind — nicht sein kön­nen. Es bleibt nichts, über­haupt nichts, aus der Welt der Sin­ne übrig, daß „Du“ sein könn­test. Was bist Du dann also?


Durch das Aus­schlie­ßen von allen Din­gen, die Du nicht sein kannst („neti neti“), ver­schwin­det die gan­ze Welt. Abso­lut alles, was Du als irgend­et­was iden­ti­fi­zie­ren kannst, bist nicht Du. Mach‘ Dir mal bewusst, wie weit das geht: Du musst nicht nur das Wahr­ge­nom­me­ne aus­schlie­ßen, son­dern natür­lich auch den Wahr­neh­men­den. Denn wenn Du erken­nen kannst, daß es da einen Wahr­neh­men­den gibt, ist auch er ein Objekt Dei­ner Wahr­neh­mung. Und somit nicht „Du“.

Alles, was Du bis­her als „ich“ bezeich­net hast, kannst Du nicht sein. Du bist weder ein Mann noch eine Frau. Du bist weder deutsch, noch klug, schlank, nett, eine Toch­ter, ein Bru­der oder was auch immer. Die Per­son, mit der Du Dich iden­ti­fi­zierst, ist nur eine Samm­lung von Wahr­neh­mun­gen. Die­ser Hau­fen von Objek­ten ist sicher­lich ganz ein­zig­ar­tig und unter­schei­det sich von ande­ren Objekt-Hau­fen. Aber kei­nes die­ser Objek­te bist „Du“.

Wir fas­sen zusam­men: das Wahr­ge­nom­me­ne kann’s nicht sein, der Wahr­neh­men­de ist es auch nicht. Irgend­wie bleibt noch weni­ger „Nichts“ übrig, als gera­de noch… Und doch bist „Du“ jetzt da, oder nicht?

Damit es den Wahr­neh­men­den und das Wahr­ge­nom­me­ne über­haupt geben kann, muss es aber noch etwas geben: die Wahr­neh­mung an sich. Man könn­te auch sagen: Bewusst­sein. Oder ein­fach nur Sein. Das hört sich viel­leicht etwas abs­trakt an, ist aber genau das, was bei unse­rer Rech­nung unter dem Strich übrig bleibt: rei­nes Sein.

Das Sein“ ist also unser gesuch­tes Sub­jekt. Klingt komisch, ist aber so. Spä­tes­tens an dem Punkt ist es vor­bei mit dem Ver­ste­hen. Das ist nichts, was der Ver­stand begrei­fen könn­te. Tony Par­sons hat das in einem sei­ner Vor­trä­ge dar­ge­stellt, indem er ein­fach ein paar Mal in die Hän­de geklascht hat. Was gibt es dar­an zu begrei­fen?