Unausweichlich.

Sonntag, 6. Januar 2013

Fried­li­che Stil­le. Stil­ler Frie­den. In sich ruhend. Makel­los. Abso­lu­te Frei­heit. Vol­ler Lie­be. Das ist für mich so offen­sicht­lich der „Nor­mal­zu­stand“, die Grund­sub­stanz allen Seins. Oder ist das doch nicht so nor­mal?

Ich bin immer wie­der erschro­cken, wenn mir bewusst wird, mit wel­chen ande­ren Wor­ten die­ser Frie­den beschrie­ben wird. Mit gro­ßen Wor­ten von gro­ßen Wei­sen oder zumin­dest aus gro­ßen Schrif­ten. Vie­le davon traue ich mich kaum selbst dar­auf anzu­wen­den. Das scheint alles so uner­reich­bar zu sein. Sowas von jen­seits die­ser Welt, dass es nicht mehr als eine Idee oder ein Ide­al sein kann. Kein nor­ma­ler Mensch kann das wirk­lich errei­chen. Zumin­dest ist das die Vor­stel­lung, die die­se Begrif­fe umgibt.

Erleuch­tung“ ist so ein Begriff. Oder auch „Erwa­chen“. Bud­dha wür­de man die­se Wor­te zuschrei­ben. Und viel­leicht noch ein paar ande­ren in den Jahr­hun­der­ten nach ihm. Wie ver­mes­sen wäre es doch sich auf die glei­che Stu­fe zu stel­len, oder? Dabei sagt Bud­dha selbst: „Alles, so wie es ist, ist der Pfad der Erleuch­tung — alle Aspek­te des Lebens.“ Oder wie Dogen-Zen­ji es for­mu­liert: „Alles, so wie es ist, ist Bud­dha-Natur.“ Die­se Erkennt­nis hat etwas so gewöhn­li­ches, all­täg­li­ches. Die­ses uner­reich­ba­re Nir­wa­na ist gar nicht uner­reich­bar, son­dern unaus­weich­lich. Es gibt nichts ande­res. Das hier ist Nir­wa­na, Erleuch­tung, Erwa­chen. Viel­leicht ist die Erkennt­nis, dass es so ist, nicht gewöhn­lich. Aber es geht eben auch nicht um etwas Uner­reich­ba­res.

Oder was ist mit dem „Reich Got­tes“? Tritt man in die­ses Reich, in die­se Erlö­sung, erst nach dem Tod ein? Oder am Ende der Welt? „Das Reich Got­tes ist mit­ten unter euch.“ (Lukas 17, 21). Es ist jetzt und hier. Nichts, was in Zukunft erreicht wer­den kann. „Der Frie­de des Herrn sei alle Zeit mit euch“, heißt es im Got­tes­dienst. Ist „alle Zeit“ denn nicht auch jetzt?

Wor­auf wei­sen all die­se Wor­te von Erlö­sung und Frie­den hin? War­um schei­nen alle gro­ßen Reli­gio­nen einen gemein­sa­men Kern zu haben? Wie kann die­se Bot­schaft Jahr­tau­sen­de über­dau­ern, wenn sie uner­reich­bar ist?

Ich kann das alles nicht tren­nen von dem, was hier jetzt ist. Ich sehe kei­ne Uner­reich­bar­keit. Ist sehe nur die Unaus­weich­lich­keit.