Vor und hinter dem Tor.

Sonntag, 22. Juli 2012

Täg­lich lese ich von Men­schen, die das „tor­lo­se Tor“ durch­schrit­ten haben. Nicht durch jah­re­lan­ge Übung, son­dern durch einen eigent­lich recht ein­fa­chen Pro­zess des direk­ten Hin­wei­sens. Vie­le kom­men gut vor­be­rei­tet und tun sich daher schwer auf die­sem Weg. Trotz­dem muss es nicht mehr als eini­ge Tage oder sogar nur Stun­den dau­ern, bis sie direkt vor dem Tor ste­hen.

Was pas­siert da? Ist das nur ein psy­cho­lo­gi­scher Trick? Machen sich die­se Men­schen etwas vor? Ist es so eine Art Gehirn­wä­sche, weil man lan­ge genug den immer glei­chen Ide­en gelauscht hat? Doch der Pro­zess besteht eigent­lich nur aus Fra­gen. Und selbst, wenn die Zwi­schen­schrit­te gelenkt wer­den: durch’s Tor geht jeder allei­ne. Da ist ein Moment von direk­tem, eige­nem Wis­sen der Wahr­heit, die einem nie­mand vor­sa­gen konn­te. Also doch kein Trick?

Hin­ter dem Tor“ geht es aber noch wei­ter. Da ist kein Schal­ter umge­legt wor­den von „Leben heißt Lei­den“ auf „ewi­ge Glück­se­lig­keit“. Nach dem Tor ist vor dem Tor — nur anders. Es gibt immer noch Gut und Böse. Ursa­che und Wir­kung. Kon­di­tio­nie­run­gen. Angeb­lich kann man das „Sehen“ nicht mehr unge­sche­hen machen. Aber ist das wirk­lich so? Ist das Durch­schau­en der Illu­si­on wie ein unum­kehr­ba­rer Per­spek­tiv­wech­sel? Oder ist es doch nur ein Schritt in eine neue Welt, der groß oder klein aus­fal­len kann und der viel­leicht nicht mal beson­ders weit führt?

Mir scheint es da kei­ne Garan­tie zu geben. „Nicht-Fin­den“ ist nicht zwin­gend das Ende von „Suchen“. Was ist schließ­lich pas­siert? Im Weg­fal­len der Illu­si­on wird gese­hen, was sowie­so schon immer der Fall war. Was soll­te sich also ändern? War­um soll­te es über­haupt eine Unter­schei­dung von „vor“ und „hin­ter“ dem Tor geben?

Es gibt im Grun­de nichts dazu zu sagen. Suchen fin­det statt. Nicht-Fin­den fin­det statt. Beglei­ten und beglei­tet wer­den fin­det statt. Es ist ein­fach alles so… und so ein­fach.