Wen kümmerts.

Samstag, 28. Mai 2011

War­um soll­te man über­haupt über DAS spre­chen? Es ist doch sowie­so da. Man kann DEM nicht ent­kom­men, ES nicht errei­chen. Eigent­lich kann man gar nichts damit machen. War­um also nach „Erleuch­tung“ suchen, oder dar­über spre­chen?


Die Welt hat sich kein Stück ver­än­dert. Das Leben hat sich nicht ver­än­dert. DAS hat sich nicht ver­än­dert, nur weil es erkannt wur­de. Der All­tag läuft genau so ab wie immer. Was soll­te es also zu erzäh­len geben? War­um soll­te sich jemand eine Geschich­te über DAS anhö­ren wol­len?

Wenn man in eine Geschich­te ver­tieft ist, voll in einen Kino­film ein­taucht, oder inten­siv träumt, iden­ti­fi­ziert man sich für eine Zeit lang mit einem bestimm­ten Cha­rak­ter. Man lei­det mit ihm. Das Herz klopft schnel­ler, wenn ihm etwas Span­nen­des pas­siert. Fast genau so, als wür­de es einem selbst pas­sie­ren. Und wir glau­ben auch noch alles, was da abläuft. Sonst hät­te man nach einem Hor­ror­film ja nicht so viel Angst allei­ne nach hau­se zu gehen.

Wenn ich in der schlimms­ten Gru­sel-Sze­ne aber auf ein­mal bemer­ke, wie mein Sitz­nach­bar im Kino sein Pop­korn mampft, ist der Spuk sofort vor­bei. Die Anspan­nung der Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Cha­rak­ter auf der Lein­wand ist weg. Es ist ganz klar, dass mir nichts pas­sie­ren kann. Ich bin ja nur der Zuschau­er im Kino und nicht der Film­held. Alles ist gut.

Wenn man in den Film des Lebens ein­taucht, ist es genau so. Sobald man bemerkt, dass man eigent­lich nur Zuschau­er ist, sind die Höhen und Tie­fen der Hand­lung nicht mehr so wild. Man kann sie immer noch bewusst erle­ben und sich iden­ti­fi­zie­ren — muss man aber nicht. Es tut sich eine gro­ße Frei­heit auf, wenn man so aus dem Traum erwacht ist. Der Film läuft immer noch, aber man kann ihn ganz anders genie­ßen.

Wenn ich in mei­nem Traum bemer­ke, dass alles nur ein Traum ist: was hat sich dann ver­än­dert? Ist es nicht immer noch nur ein Traum? So wie vor­her auch schon?