Worte und Wissen.

Montag, 7. Mai 2012

Bei den Wor­ten der Pre­digt sind mir fast die Trä­nen gekom­men. Die gan­ze Mes­se über war ich berührt. Der Pfar­rer hat­te anstatt der übli­chen Flos­keln eige­ne Wor­te gewählt. Manch­mal nur als Ein­lei­tung oder Ergän­zung. Aber immer so, dass ich das Gefühl hat­te, er weiss wovon er spricht.

Jede Reli­gi­on geht auf die glei­che Erfah­rung zurück — davon bin ich über­zeugt. Dabei ist die Erfah­rung nicht an eine Reli­gi­on gebun­den. Ich stos­se immer wie­der auf sie und erken­ne sie in ande­ren. Mal ist es ein Ver­sun­ken-Sein in einer Tätig­keit. Oder der Frie­den, der eine Per­son umgibt. Was ich sehe, ist ihnen wahr­schein­lich gar­nicht bewusst. In mir bewirkt es aber ein Gefühl wie „Schmet­ter­lin­ge im Bauch“ oder ein war­mes, woh­li­ges Glü­hen.

So wie bei dem Pfar­rer glau­be ich manch­mal auch zu wis­sen, dass wir die glei­che Erfah­rung tei­len. Da ist etwas hin­ter den Wor­ten, das ich so deut­lich hören kann. Hören mit dem Her­zen. Wie­der­erken­nen. Dabei wür­den wir bestimmt bei­de die­se Erfah­rung völ­lig unter­schied­lich beschrei­ben. Jeder wür­de die Wor­te wäh­len, die er auf Grund sei­nes Hin­ter­grun­des und sei­ner Prä­gung für pas­send hält. Viel­leicht wür­den eini­ge Wor­te bei dem Ande­ren sogar auf Ableh­nung stos­sen, weil er mit ihnen etwas ande­res ver­bin­det. Aber ich weiss auch, dass die­ser Aus­tausch gar­nicht über die Wor­te gesche­hen wür­de.

Es gibt so vie­le Wor­te, die in einer Kir­che gespro­chen wer­den. Vie­le deu­ten noch auf die Erfah­rung dahin­ter hin. Aber so vie­les scheint durch ein fal­sches Ver­ständt­nis hin­zu­ge­kom­men zu sein. Kann ich wis­sen, wel­che Erfah­rung die­ser Welt­re­li­gi­on zugrun­de liegt? Kann ich wis­sen, was Bud­dha wuss­te? Kann ich wis­sen und erken­nen, was hin­ter all‘ dem liegt? Hin­ter Wor­ten, Bil­dern und Kon­zep­ten?

Da ist ein Wis­sen, das ich nicht erlernt habe. Das nicht aus Wor­ten, Bil­dern und Kon­zep­ten besteht. Ich kann es nicht über­prü­fen, es nicht in wahr oder falsch ein­ord­nen, weil es die­se Kate­go­ri­en nicht kennt. Es scheint auch kei­nen Nut­zen zu haben, weil ich es nicht ein­mal anwen­den kann. Aber es IST. Viel­leicht ist das das Ein­zi­ge, was ich wirk­lich weiss.