Zazen-kai.

Sonntag, 12. Februar 2012

Frei­tag, 16 Uhr
Ange­kom­men in mei­ner „Klos­ter­zel­le“. Es ist so unglaub­lich still hier. Schlei­che durch’s Gebäu­de, rich­te mei­nen Sitz­platz ein.


Frei­tag, 19 Uhr
Beim Abend­essen durf­te noch gere­det wer­den. Eini­ge ken­nen sich, ande­re ler­nen sich ein wenig ken­nen. Es gibt eini­ge Kost­pro­ben von „tie­fem spi­ri­tu­el­len Ver­ständ­nis“. Freue mich auf die Abend­me­di­ta­ti­on — und das Schwei­gen.

Frei­tag, 21:30 Uhr
War­um mache ich das nur? Ich habe Ohren­schmer­zen. Und unbe­quem sit­zen kann ich auch zuhau­se. Die äuße­re Stil­le, die ich sonst so ver­mis­se, erdrückt mich ein wenig. Ent­spre­chend unru­hig war auch das Sit­zen vor­hin.

Ich suche nicht das, was man hier sucht. Es ist hier. Jetzt. Immer da. Aber alle tun so, als kön­ne sich ein Fisch auf die Suche nach Was­ser machen. Als wäre das Was­ser irgend­wo aus­ser­halb des Sees zu fin­den. Ich wür­de so ger­ne eine rie­sen Was­ser­schlacht mit allen machen — plant­schen und sprit­zen. Statt des­sen war­ten alle auf die Flut. Wer schwimmt mit mir?

Sams­tag, 6 Uhr
War schon lan­ge vor dem Wecker wach und habe auch ganz gut geschla­fen. Wer­de schon mal los­zie­hen und Kaf­fee suchen.

Sams­tag, 8:30 Uhr
Ist man mit der letz­ten Erkennt­nis allein? Ich kann sie in Zita­ten lesen. „Chris­tus ist in euch, die Hoff­nung auf die Herr­lich­keit“ steht auf unse­rem Tages­plan. Die Wor­te kön­nen nicht erklä­ren wor­auf sie ver­wei­sen. Sie sind wie ein Weg­wei­ser, der nichts über das Ziel aus­sagt. Nur weil da steht „zur Erleuch­tung rechts abbie­gen“, heisst es noch lan­ge nicht, dass dort auch Erleuch­tung zu fin­den ist. Da rechts kann gar nichts sein und trotz­dem gibt es den Weg­wei­ser. Und auch wenn sie dort rechts ist, hat das wie­der­um nichts mit dem Weg­wei­ser zu tun.

Sams­tag, 10:30 Uhr
„In voll­kom­me­nem Miss­trau­en auf mich selbst…“ — was für wun­der­ba­re Wor­te. Bei der Rezi­ta­ti­on der vier Gelöb­nis­se gab es die­se Ergän­zung von Pal­lot­ti, die mich wirk­lich berührt hat. Stand da wirk­lich „Miss­trau­en“? Ich habe es nach dem Sit­zen sogar noch ein­mal nach­ge­se­hen. Ein­fach wun­der­bar.

Sams­tag, 14:30 Uhr
Das Doku­san war sehr auf­wüh­lend… Aber ich glau­be, es wur­de deut­lich mehr mit­ge­teilt, als es die rei­nen Wor­te konn­ten. Eine klei­ne Geschich­te über das Allein-sein habe ich mit auf den Weg bekom­men. Sie endet mit: „Du hast so viel guten Wein getrun­ken und behaup­test immer noch, Dei­ne Keh­le wäre nicht feucht gewor­den?“ Ich glau­be, es geht gar nicht um das Nicht-mit­tei­len-kön­nen. Es ist eher so, dass ich mich so reich beschenkt füh­le und die­sen Reich­tum ger­ne tei­len wür­de — aber wie? Bis­her habe ich nur einen Weg gefun­den: zu sit­zen.

Sams­tag, 18:30 Uhr
Mei­ne Knie und mein Rücken haben bei der letz­ten Ein­heit vor der Eucha­ris­tie­fei­er so geschmerzt… Nach der Bewe­gung in der Pau­se ging es aber wie­der. Wäh­rend der Fei­er habe ich auf mei­nem Hocker geses­sen. Alles war gut. Dabei wer­de ich auch für die Abend­me­di­ta­ti­on blei­ben.

Sams­tag, 21:15 Uhr
Unfass­bar, dass ich die­sen Tag durch­ge­stan­den habe. Für mei­nen Hocker brau­che ich viel­leicht noch ein Keil­kis­sen. Aber sonst hat sich mei­ne Kon­struk­ti­on sehr bewährt.

Es gab ein zwei­tes Doku­san zur Abend­me­di­ta­ti­on. Im nicht ganz so förm­li­chen Rah­men gab es Gele­gen­heit etwas län­ger zu spre­chen. Es ist so schwer dar­über zu spre­chen, wenn jedes Wort es nicht voll­stän­dig aus­drü­cken kann. Aber es tat gut und hat viel­leicht einen neu­en „Weg“ auf­ge­tan.

Sonn­tag, 10:30 Uhr
Wie konn­te ich bis­her nur die Grö­ße die­ses Weges über­se­hen? Nun bin ich so vol­ler Dank­bar­keit es zumin­dest ein wenig erken­nen zu dür­fen. Als beim Teis­ho das ers­te Gelöb­nis zitiert wur­de, lie­fen mir Trä­nen über die Wan­gen. Da ist tie­fe Dank­bar­keit für alle, die die­sen Weg gehen. Und Dank­bar­keit für die Men­schen, mit denen ich hier in Stil­le sit­zen darf.

Sonn­tag, 13:15 Uhr
Also dem lang­le­bi­gen Tep­pich­bo­den kann ich es ja nicht übel neh­men — aber es ist unglaub­lich, wie hart eine wei­che Mat­te und eine wei­che Decke wer­den kön­nen. Lei­der bedeu­tet „kaum aus­zu­hal­ten“, dass man es eben doch so gera­de noch ertra­gen kann.

Sonn­tag, 19 Uhr
Klei­nes Fazit: ich habe 10x3x25 min. = 12.5 Stun­den auf dem Medi­ta­ti­ons­kis­sen ver­bracht. Mir tun die Knie weh und all‘ mei­ne Sachen rie­chen nach Räu­cher­stäb­chen.

Kei­ne Wor­te kön­nen beschrei­ben, was ich erlebt habe.