Zazen-kai.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Mein ers­tes Zazen-kai. Neun Mal 25 Minu­ten Sit­zen. So lan­ge habe ich noch nie am Stück geses­sen. Schon gar­nicht nach nur fünf Stun­den Schlaf. Aber ich war schon vor dem Wecker wach. Ich woll­te sit­zen.


Die ers­te Ein­heit schien nur fünf Minu­ten lang zu sein. Nicht, dass ich ein­ge­schla­fen wäre. Da war ein­fach nichts in mei­nem Kopf. Ich habe ein­fach nur geses­sen. In der zwei­ten Ein­hei­ten tauch­te plötz­lich die Fra­ge auf, wo genau das Sehen der Wand statt­fin­det (genau genom­men gehör­te auch ein Stück Tür dazu). Das Sehen der Wand, das Rie­chen des Räu­cher­stäb­chens, das Hören des Atmens, das Spü­ren der Knie auf dem Boden… alles das pas­siert an dem sel­ben Ort: „ich bin“. Da ist nur die­ser Ort „ich bin“ oder „alles ist“. Das hier, jetzt ist genau die­ser Ort. Es gibt kei­ne Chan­ce ihn zu ver­las­sen oder zu errei­chen. Alles geschieht an die­sem Ort und ist die­ser Ort. Gleich­zei­tig bleibt der Ort unbe­rührt von allem.

Pau­se nach der drit­ten Ein­heit. Fast hät­te ich mich ein­fach wie­der auf die Bank gesetzt. Aber die­ses tie­fe, tie­fe Sein an die­sem Ort hat nichts mit dem Sit­zen in Medi­ta­ti­on zu tun. So war ich ein­fach nur da. In tie­fem, tie­fem Frie­den. Dabei war weder Ort noch Erkennt­nis neu. Jetzt, hier…ist der Ort, den nie­mand errei­chen oder ver­las­sen kann. Er war nur inten­si­ver. Kla­rer zu sehen.

Noch drei Ein­hei­ten bis zur Mit­tags­pau­se. Mühe­los. Dann Essen in Stil­le, Gehen in Stil­le. Ab in die Natur. Noch­mal drei Ein­hei­ten. Die Knie machen sich bemerk­bar. Die vor­letz­te Ein­heit ver­su­che ich auf dem Kis­sen zu sit­zen — ohne Bes­se­rung. Die letz­te Ein­heit schmerzt ein­fach nur. Will ein­fach nicht enden. Vor­bei die schö­nen Glücks­ge­füh­le, der tie­fe Frie­den. Auf­ste­hen, ver­beu­gen, auf­räu­men und nach Hau­se in den All­tag.

Der Ort. Ich habe ihn nicht betre­ten, als ich mich mor­gens zur Medi­ta­ti­on auf die Bank gesetzt habe. Ich habe ihn nach der letz­ten Ein­heit nicht ver­las­sen, nur weil ich nicht mehr in Medi­ta­ti­on ver­sun­ken war. All­tag und Medi­ta­ti­on sind ein­fach nur zwei Din­ge, die an die­sem Ort gesche­hen. Genau wie Frie­den und Schmer­zen. Selbst das Gefühl, nicht mehr an die­sem Ort zu sein, geschieht an die­sem Ort.