30 Buddhas (Einführungskurs)

Freitag, 6. Juli 2012

Frei­tag, 17:30 Uhr
Wie­der hier. Bekann­te Gerü­che. Neu­es Zim­mer. Beim Ein­rich­ten des Medi­ta­ti­ons­plat­zes direkt auf­ge­fal­len, weil ich mich zu gut aus­kann­te. 😉 Ich bin gespannt auf das Pro­gramm und ob wirk­lich genug Zeit zum Sit­zen da sein wird.

Frei­tag, 19:05 Uhr
Noch darf gere­det wer­den. Vie­le sind völ­lig ohne Vor­er­fah­rung gekom­men. Jeder bringt sei­ne Vor­stel­lun­gen und Erfah­run­gen mit, hat schon die­ses oder jenes aus­pro­biert, meint zu wis­sen, was auf ihn zukommt. Was kommt denn auf mich zu? Es ist leicht sich „erfah­ren“ zu füh­len. Aber das ist auch nur so eine Illu­si­on. Wie jeder der ande­ren weiß ich nicht, was gleich pas­sie­ren wird, ist das Sit­zen in Medi­ta­ti­on wie­der neu. 30 Bud­dhas habe ich beim Abend­essen gese­hen — alles Anfän­ger.

Frei­tag, 22:39 Uhr
Vor­stel­lungs­run­de. Zufäl­le, ober­fläch­li­ches Inter­es­se, Hoff­nung auf ein „bes­se­res Leben“… so vie­le Grün­de füh­ren zur Medi­ta­ti­on. Aber es war still. Schon bei der ers­ten kur­zen Medi­ta­ti­on war es still. Nicht nur im Raum, son­dern auch in den Ande­ren — hat­te ich das Gefühl. Viel zu schnell war der Abend vor­bei, also dreh­te ich mich zur Wand und blieb noch sit­zen. Das Gefühl war anders, allei­ne in dem Raum zu sit­zen. Es war nicht „wich­tig“ allei­ne zu sein. Aber es hat­te den Geschmack von „etwas Gutes getan haben“. War das falsch?

Sams­tag, 5:30 Uhr
Ist ein biss­chen früh, aber ich bin schon wach. Um 7 Uhr geht’s offi­zi­ell erst los, aber ich freue mich dar­auf, nach einem lecke­ren Kaf­fee den Medi­tia­ti­on­raum viel­leicht noch ein­mal ganz für mich zu haben und die Stil­le zu genie­ßen.

Sams­tag, 8:36 Uhr
Mit einer Tas­se Kaf­fee in der Hand drau­ßen ste­hen, den Mor­gen rie­chen und die Schwal­ben beob­ach­ten. Dampf aus einem der Schorn­stei­ne hat das Inne­re eines Bau­mes ver­ne­belt.

Das „erwei­ter­te Grund­ge­bet“ stellt sich mir immer quer. Habe es ges­tern zum ers­ten Mal bewusst und laut mit­ge­spro­chen. Es ist gar nicht Ableh­nung gegen die­ses reli­giö­se Ritu­al. „Im Namen des Vaters, der mich in unend­li­cher Lie­be erschaf­fen hat…“ Auch der Sohn und der Hei­li­ge Geist sol­len irgend­was mit mir gemacht haben. Ich sehe nicht, wor­auf das hin­wei­sen soll. Natür­lich kann ich es ein­fach mit­spre­chen. Aber es ist nur hohl, wenn die inne­re Hal­tung es nicht trägt.

Sams­tag, 10:37 Uhr
Acht­sam­keit. Acht­sam­keit. Acht­sam­keit. Es ist egal, ob ich mich vom Hier und Jetzt ablen­ken las­se, weil alles so neu für mich ist, oder weil ich glau­be alles schon zu kön­nen. Jeder Atem­zug ist ein neu­er Anfang. Dan­ke für die­se wun­der­vol­le Übung…

Sams­tag, 13:08 Uhr
Ich mag ja die­ses schwei­gen­de Essen. Ohne ein Wort wan­dert die Schüs­sel von Platz zu Platz. Statt „Bit­te“ und „Dan­ke“ wird nur ein Blick aus­ge­tauscht. Geges­sen wird erst, wenn jeder ver­sorgt ist. Anschlie­ßend wird schwei­gend das Geschirr zusam­men geräumt und der nächs­te Gang beginnt. Merk­wür­dig, daß all das nicht an jedem Tisch selbst­ver­ständ­lich war.

Sams­tag, 21:32 Uhr
Von „Anfän­ger­kurs“ ist nichts zu spü­ren. Wir sit­zen zwar noch nicht 3x25 Minu­ten, aber an Ernst­haf­tig­keit scheint es nie­man­dem zu feh­len. Das Doku­san war schwie­rig. Ich hat­te nichts zu sagen, bekam aber trotz­dem Ant­wor­ten und habe auch noch fre­che Gegen­fra­gen gestellt. Ich bin mir nicht sicher, ob wir über das glei­che „Ding“ gespro­chen haben…

Sonn­tag, 8:33 Uhr
Das Sit­zen zeigt lang­sam sei­ne Spu­ren. Rücken und Knie schei­nen sich an die bis­her in der Medi­ta­ti­ons­hal­le ver­brach­ten Stun­den zu erin­nern… Beim Früh­stü­cken hat­te ich die gan­ze Zeit so eine Art „lie­be­vol­les Grin­sen“. Die­se gan­zen ver­rück­ten Leu­te hier… Eine kommt mor­gens immer 5 Minu­ten zu spät, eine ande­re ist so aus­drucks­voll spi­ri­tu­ell mit ihrem bestick­ten Täsch­chen und dem Schal, ande­re ste­hen ein­fach immer im Weg und wis­sen selbst nicht, wo sie hin sol­len. Es gibt graue Mäu­se, Frus­trier­te, Pro­fis, Aus­sen­sei­ter… Da ist nichts Gutes an dem Einen oder Schlech­tes an dem Ande­ren. Nichts von all­dem ist bes­ser oder schlech­ter. Es ist ein­fach so schön zu sehen wie unter­schied­lich Leben sein kann. Und wie gleich alle auf dem Kis­sen sind.

Sonn­tag, 10:33 Uhr
Um mich her­um Trä­nen. Bit­te­res Wei­nen. Ges­tern und heu­te. Ich freue mich so für mei­ne bei­den Sitz­nach­barn. Was für ein wert­vol­les Geschenk. Irgend­wo habe ich mal gele­sen: „Wer noch nie auf dem Kis­sen geweint hat, weiß nicht was Medi­ta­ti­on ist.“ 30 Bud­dhas sit­zen in die­ser Medi­ta­ti­ons­hal­le.